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Hausbesichtigung mit Checkliste: Mängel erkennen wie ein Profi
Du hast endlich ein interessantes Haus gefunden und stehst kurz vor der Besichtigung. Jetzt bloß keinen Fehler machen. Bei älteren Gebäuden stecken Mängel oft im Verborgenen: hinter frisch gestrichenen Wänden, unter dem Teppich oder im Keller. Wer ohne Vorbereitung zum Termin geht, übersieht schnell Schäden, die später teuer werden. Diese Hausbesichtigung-Checkliste zeigt dir Raum für Raum, worauf du achten musst, welche Warnsignale du sofort erkennen kannst und was du mit deinen Beobachtungen anschließend anfängst.
Das Wichtigste in Kürze
- Plane mindestens 60 bis 90 Minuten pro Besichtigung ein und bring Taschenlampe, Feuchtigkeitsmesser und ein Notizbuch mit.
- Prüfe Keller, Dach und Heizung besonders sorgfältig: Das sind die drei kostspieligsten Problemzonen.
- Feuchte Stellen, Risse und veraltete Elektrik sind Warnsignale, die den Kaufpreis stark beeinflussen können.
- Eine zweite Besichtigung gemeinsam mit einem Sachverständigen lohnt sich fast immer.
- Die vollständige Liste gibt es als PDF zum Herunterladen, damit du sie direkt beim Termin nutzen kannst.
Wie du diese Checkliste nutzt
Drucke die Liste aus oder öffne das PDF auf deinem Smartphone, bevor du das Grundstück betrittst. Hake jeden Punkt ab, den du geprüft hast, und notiere deinen Eindruck mit einer kurzen Bewertung (gut, auffällig, kritisch). Am Ende der Besichtigung siehst du auf einen Blick, wie viele kritische Punkte du notiert hast. Diese Übersicht hilft dir beim nächsten Schritt: dem Abwägen, ob und zu welchem Preis du ein Angebot abgibst, und ob du einen Gutachter zum Hauskauf hinzuziehst.
Nimm Folgendes mit: Taschenlampe, Feuchtigkeitsmessgerät (günstige Geräte ab etwa 15 Euro im Baumarkt), Kugelschreiber, Maßband und wenn möglich eine Kamera oder dein Handy für Fotos. Wer sich fragt, bei der Hausbesichtigung worauf achten besonders wichtig ist, findet die Antwort meistens im Keller und im Dachstuhl.
Hausbesichtigung Checkliste: Außenbereich und Grundstück
Fassade und Dach
- Fassade auf sichtbare Risse, abplatzenden Putz und Ausblühungen absuchen
- Dachziegel von unten oder aus sicherer Entfernung auf Brüche und fehlende Ziegel prüfen
- Dachrinnen und Fallrohre auf Beschädigungen und Bewuchs kontrollieren
- Dachüberstand und Traufe auf Feuchteschäden sichtprüfen
- Zustand der Fugen an Fenstern und Türen beurteilen
- Anbauten (Garage, Carport, Terrassendach) auf Standfestigkeit und Genehmigung ansprechen
Grundstück und Zufahrt
- Geländeabfall zum Gebäude hin prüfen (Wasser sollte vom Haus weglaufen)
- Zustand der Terrasse, Wege und Einfriedungen einschätzen
- Bäume auf Nähe zur Bausubstanz und mögliche Wurzelschäden achten
- Nachbarschaftssituation: Abstandsflächen, Grenzbebauung ansprechen
Keller und Fundament
Keller und Fundament sind die Grundlage des gesamten Gebäudes. Schäden hier sind oft teuer zu beheben und manchmal ein echter Kaufstopper. Mängel bei der Hausbesichtigung erkennen beginnt im Untergeschoss.
- Keller auf feuchte Stellen und Salzausblühungen absuchen (weiße Krusten an Wänden)
- Geruch prüfen: Modergeruch deutet auf dauerhaft erhöhte Feuchtigkeit hin
- Feuchtigkeitsmessgerät an mehreren Wandflächen anlegen
- Risse im Mauerwerk und in der Kellersohle fotografieren und Breite einschätzen
- Lichtschächte auf Wasseransammlungen und Verstopfungen prüfen
- Sichtbar verlegte Leitungen (Wasser, Abwasser, Strom) auf Rost und Undichtigkeiten prüfen
Weiterführende Informationen dazu, wie Feuchte Wände saniert werden und was das kostet, helfen dir, diese Befunde einzuordnen.
Wohnräume: Raum-für-Raum-Liste
Geh systematisch vor: Beginne im Erdgeschoss und arbeite dich nach oben vor. Lass keine Abstellkammer aus.
Wände, Decken und Böden
- Wände auf Feuchteflecken, Schimmel und frische Farbe (kann Mängel überdecken) untersuchen
- Decken auf Risse, Wasserränder und Durchbiegungen absuchen
- Böden auf Unebenheiten, Knarzen und Durchfeuchtung prüfen (Teppiche anheben, wenn möglich)
- Fenster öffnen und schließen: Leichtgängigkeit, Dichtigkeit und Verglasung (Einscheibe, Zweischeibe, Dreischeibe) notieren
- Rollläden und Außenjalousien auf Funktion testen
Treppen und Übergänge
- Treppengeländer auf Stabilität prüfen
- Stufenhöhen und Trittsicherheit beurteilen
- Übergänge zwischen Räumen auf Bodenniveauunterschiede achten (Hinweis auf Setzungen)
Elektrik und Heizung
- Sicherungskasten öffnen: Sind Schraubsicherungen vorhanden? (Alter des Systems einschätzen)
- Sichtbar verlegte Aluminium-Leitungen notieren (Brandgefahr, Sanierungspflicht besprechen)
- Anzahl und Lage der Steckdosen notieren
- Heizkörper in jedem Raum auf Funktion testen, wenn möglich aufdrehen
- Heizungsanlage: Baujahr, Hersteller und letztes Wartungsprotokoll erfragen
Küche und Bäder
- Unter Spüle und Waschbecken auf Leckagen und Schimmel prüfen
- Silikonfugen an Wanne, Dusche und Waschbecken auf Risse und Schimmelbefall prüfen
- Fliesen auf Hohlstellen abklopfen (hohl klingende Fliesen lösen sich ab)
- Wasserdruckprüfung: Warmwasser und Kaltwasser gleichzeitig aufdrehen
- Abflüsse auf Abflussgeschwindigkeit testen
- Lüftung prüfen: Fenster oder mechanische Entlüftung vorhanden?
Dachboden und Dachstuhl
- Dachstuhl auf sichtbare Schäden am Holz: Risse, Fäulnis, Schädlingsbefall (Holzwurm, Hausschwamm)
- Dacheindeckung von innen: Lichtpunkte oder feuchte Stellen sichtbar?
- Dämmung: vorhanden, Dicke und Material einschätzen (Glaswolle, Mineralwolle, Styropor)
- Auf mögliche Asbestplatten oder -wellplatten achten: Bei Verdacht Probenahme beauftragen
Bei Verdacht auf belastete Materialien empfiehlt sich ein Blick auf die Kosten und Pflichten beim Asbest entfernen, bevor du ein Angebot abgibst.
Heizung, Haustechnik und Energiestandard
- Energieausweis anfordern und Energieeffizienzklasse notieren
- Heizungstyp notieren: Öl, Gas, Wärmepumpe, Fernwärme
- Baujahr der Heizungsanlage: Anlagen über 20 Jahre sind oft zu ersetzen
- Warmwasseraufbereitung: zentral oder dezentral (Durchlauferhitzer)?
- Dämmstand der Außenwände, des Dachs und der Kellerdecke erfragen oder sichtprüfen
- Solarthermie oder Photovoltaik vorhanden? Eigentümer oder Pacht?
Wenn du anschließend die nötigen Investitionen beziffern möchtest, hilft dir unser Artikel zum Thema Sanierungskosten einschätzen dabei, einen realistischen Überblick zu bekommen.
⚠️ Warnsignale: Bei diesen Befunden unbedingt einen Gutachter hinzuziehen
- Feuchte Flecken oder Schimmel an mehreren Stellen im Haus
- Risse mit mehr als 1 mm Breite in tragenden Wänden oder im Fundament
- Modrig-süßlicher Geruch im Keller oder im Dachstuhl (Verdacht auf Hausschwamm)
- Schraubsicherungen oder Aluminium-Leitungen im Sicherungskasten
- Baujahr der Heizungsanlage vor 2000 und keine Wartungsprotokolle
- Asbestverdacht an Dachplatten, Fassadenelementen oder Bodenbelägen (Vinyl-Fliesen aus Gebäuden vor Ende 1993)
Hol dir jetzt das vollständige PDF mit allen Checkboxen, damit du die Liste direkt beim Termin auf deinem Smartphone abrufen oder ausgedruckt mitnehmen kannst. Nach dem Download erfährst du, wie BrickUp dich beim nächsten Schritt begleitet.
Was tun mit den Ergebnissen?
Nach dem Termin hast du eine Liste mit Auffälligkeiten. Jetzt geht es darum, diese zu gewichten:
- Grüne Punkte (alles unauffällig): keine weiteren Schritte nötig, Angebot kann auf Basis des Marktpreises formuliert werden.
- Gelbe Punkte (einzelne auffällige Stellen): Sanierungskosten grob einschätzen und Kaufpreis entsprechend verhandeln.
- Rote Punkte (mehrere Warnsignale): zweite Besichtigung mit einem Sachverständigen vereinbaren, bevor du ein verbindliches Angebot machst.
Eine Faustregel: Wer drei oder mehr rote Punkte notiert hat, sollte keine Kaufentscheidung ohne Gutachten treffen. Die Kosten für ein Gutachten liegen je nach Umfang bei etwa 500 bis 1.500 Euro, können aber eine Fehlinvestition von mehreren zehntausend Euro verhindern.
Häufige Fragen zur Hausbesichtigung
Wie lange sollte eine Hausbesichtigung dauern?
Plane mindestens 60 bis 90 Minuten ein, bei größeren Objekten auch mehr. Lass dir ausreichend Zeit für Keller, Dachboden und Heizungsraum. Wer sich unter Zeitdruck setzt, übersieht leicht kritische Stellen. Eine zweite Besichtigung zu einem anderen Tageszeit lohnt sich, um das Lichtverhalten und eventuelle Feuchtigkeit nach Regen zu beurteilen.
Darf ich beim Besichtigungstermin Fotos machen?
Grundsätzlich ja, aber bitte vorher kurz beim Eigentümer oder der Maklerin fragen. Die meisten sind damit einverstanden, wenn du erklärst, dass du die Fotos für eine persönliche Entscheidungsgrundlage nutzt. Fotos sind wichtig, um Befunde später mit einem Gutachter zu besprechen.
Welche Unterlagen sollte ich bei der Besichtigung erfragen?
Bitte um den Energieausweis, vorhandene Baupläne und Grundrisse, Wartungsprotokolle der Heizungsanlage, Nachweise über durchgeführte Sanierungen und das Baubuch, falls vorhanden. Fehlende Unterlagen sind kein Ausschlusskriterium, aber ein Hinweis auf mögliche Wissenslücken des Verkäufers.
Wann lohnt sich ein Gutachter bei der Hausbesichtigung?
Sobald du ernsthaftes Kaufinteresse hast und mehrere Warnsignale notiert hast, solltest du einen Bausachverständigen zur zweiten Besichtigung mitnehmen. Das gilt besonders bei Gebäuden vor 1980 und bei fehlenden Sanierungsnachweisen. Ein Gutachter erkennt verdeckte Mängel, die ein Laie nicht sieht.
Was ist der Unterschied zwischen einem Mangel und einem Sachmangel im rechtlichen Sinne?
Ein Sachmangel (geregelt im Bürgerlichen Gesetzbuch) liegt vor, wenn eine Eigenschaft des Hauses von dem abweicht, was vertraglich zugesichert wurde oder was üblicherweise zu erwarten ist. Beim Kauf älterer Häuser wird in vielen Verträgen ein Gewährleistungsausschluss vereinbart. Wer dann nach dem Kauf Mängel entdeckt, hat in der Regel keinen Anspruch auf Nachbesserung oder Kaufpreisminderung, es sei denn, der Verkäufer hat arglistig getäuscht.
Wie erkenne ich, ob eine Immobilie unter Denkmalschutz steht?
Frag den Verkäufer oder die Maklerin direkt danach und lies den Grundbuchauszug sowie den Bescheid der zuständigen Denkmalschutzbehörde. Alternativ kann deine Gemeinde oder das lokale Denkmalsamt Auskunft geben. Denkmalgeschützte Gebäude unterliegen besonderen Auflagen bei der Sanierung, können aber steuerliche Vorteile bieten.
Wenn du nach der Besichtigung alle Informationen beisammen hast und nun konkret werden möchtest: Lad dir das PDF herunter, trag deine E-Mail-Adresse ein und erhalte zusätzlich eine Übersicht mit den nächsten Schritten auf dem Weg zum Kauf.
Quellen
1 Angabe, Stand Juli 2026
Vorgaben, Gesetze und Förderungen ändern sich regelmäßig und müssen im Einzelfall geprüft werden. Hier steht, worauf die Angaben in diesem Artikel beruhen und auf welchem Stand.
- Umweltbundesamt, Asbest · Stand 30. Juli 2024Ab welchem Baujahr mit asbesthaltigen Bauprodukten zu rechnen ist

